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Wenden Online » Geschichte

Wer besiedelte das Wendener Land? Woher kommt der Name? Wer lebte früher in der Region? Antworten auf diese und andere Fragen werden hier gegeben, obwohl vieles noch im Dunkeln der Geschichte liegt. Eines ist aber dennoch sicher: "Gott schuf viele Arten Menschen: schwarze, weiße und die Wendschen!"

Wann genau die Region des Wendener Landes erstmals besiedelt wurde, kann nicht nachvollzogen werden. Die Namen der Ortschaften lassen aber auf eine Besiedlung im 9. oder 10. Jahrhundert schließen. Vielleicht war es auch schon wesentlich früher, wenn man sich an den Namen der Bäche orientiert, z.B. Bigge, Wende oder Elbe (nein, nicht die Elbe).

Die Bezeichnung Wenden hat sich vermutlich aus der Situation eines Grenzlandes heraus entwickelt. Denn im ersten Jahrtausend lag die Region an der Grenze der fränkischen und sächsischen Stämme. Es ist weiter anzunehmen, daß die erste Ortschaft seinerzeit nach dem ersten benannten Bach, der Wende, bezeichnet wurde.

Andererseits wird erzählt, daß der Apostel Petrus Wenden den Namen gab. Denn der Herrgott bereiste zusammen mit Petrus die Erde. Dabei kamen sie auch ins Wendener Land, in jene unwirtliche Gegend, die als zweites Sibirien galt und in der die Welt mit Brettern zugeschlagen war. Als Gott seinen Begleiter fragte, wohin man sich denn nun verlaufen habe, soll Petrus geantwortet haben: "O Herr, hier beginnt ein gar rauhes Land, hier laß uns wenden!"

Um 300 v.Chr. wurden Kelten und Germanen aus dem Osten in den Westen gedrängt. Darunter auch einige derer, die im Sauerland lebten. Die germanischen Stämme unserer Heimat waren jedenfalls die Sigambrer. Diese wurden um das Jahr 11 v.Chr. von den Römern besiegt und zum größten Teil ebenfalls weiter Richtung Westen ausgewiesen.

Einige behaupten, die Wendschen stammen von den Wenden ab, einem Volksstamm, den Karl der Große bekriegt und unterworfen hat. Einen Teil derer soll er hierher an die Grenze der alten Sachsen und Franken verschoben haben. Diese Meinung wird damit begründet, daß einige der früher Alteingesessenen des Amtes Wenden einen anderen, fremdartigen Dialekt gesprochen hätten.

Man könnte eher annehmen, daß sich im Wendener Land fränkisches Blut geltend machen könnte. Karl der Große hat nach dem Sieg über die alten Sachsen nachweislich Teile dieses Stammes über die sächsisch-fränkische Grenze verpflanzt. Er soll aber andersherum auch Franken im sächsischen Gebiet angesiedelt haben, vornehmlich an den Stammesgrenzen. Diese letzte Möglichkeit ist zwar nicht erwiesen, könnte für das Wendsche aber noch am ehesten zutreffen.

Die erste urkundliche Erwähnung nennt Wenden nach derzeitigem Wissensstand im Jahr 1011. In einer alten Urkunde eines im 9. Jahrhundert in Herford gegründeten Nonnenklosters wurden Besitztümer in Wendenne aufgeführt, wobei dies mit großer Wahrscheinlichkeit die damalige Bezeichnung des heutigen Wenden war. Von dieser Urkunde existiert noch heute eine notariell beglaubigte Abschrift aus dem 14. Jahrhundert. Worauf sich der Inhalt des Dokumentes jedoch im Einzelnen bezieht, ist unklar. Wann genau, und vor allem durch wen also Güter an das Benediktinerinnenkloster gegeben worden sind, konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Es könnte sein, daß dies bereits aus der Karolingerzeit herrührt. Oder aber Karl der Große oder dessen nächste Nachfahren könnten damit zu tun gehabt haben. Denn seinerzeit war Paderborn das Zentrum der Sachsenmission, wo Karl der Große im Jahr 777 die erste fränkische Reichsversammlung auf fränkischem Boden abhielt. Zwölf Jahre später (789) wurde dann die erwähnte Benediktinerinnenabtei zusammen mit dem Kloster Korvey gegründet. Weitere zehn Jahre später (799) besuchte Papst Leo III. die Stadt und das Erzbistum Paderborn wurde gegründet. Jedenfalls wurde das Herforder Kloster in den folgenden Jahrhunderten großzügig mit Gütern und Landflächen bedacht, die in der näheren Umgebung lagen. So auch im Sauerland und am Rhein.

Die erste Kirche oder Kapelle im Wendener Land wurde sehr wahrscheinlich Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts gebaut. In einem alten Abgabenverzeichnis, dem sogenannten "Liber Valoris" der Erzdiözese Köln aus dem 14. Jahrhundert ist ein Eintrag unter der Bezeichnung "Wendene Capella" zu finden. Dieses Verzeichnis ist um die Zeit von 1313 bis 1316 aufgestellt worden und listete die Eigentümer und Einkünfte der Pfarreien im Herzogtum Westfalen auf.

Das Gebiet der Gemeinde Wenden war schon seit Jahrhunderten Grenzland. Früher grenzten hier die Gebiete von Nassau-Siegen im Südosten und Osten, das der Herrschaft Wildenburg im Süden und Südwesten sowie jenes des Herzogtums Berg im Westen und Nordwesten aneinander. Noch heute finden sich an den Schnittpunkten mehrerer Territorien alte "Dreiherrensteine", Grenzsteine aus der damaligen Zeit.

Das Gemeindegebiet gehörte früher zum Kurfürstentum Köln. Aus diesem Grund werden die Wendener auch heute noch von den Siegerländern "die Kölschen" genannt. Jedenfalls hat sich nach der Reformation im Wendener Land nichts geändert. Hier hielt man am alten Glauben fest, während im Siegerland und in der Region des damaligen Herzogtums Berg die Lehre Luthers angenommen wurde.

Gegen Ende des Mittelalters bauten die Nassau-Oranier einen Grenzwall auf. Der Teil dieser Grenze, die das Siegerland vom heutigen Kreis Olpe trennt, nennt man das "Kölsche Heck". Es war ursprünglich eine Stammesgrenze, die das Gebiet der Franken und das der Sachsen trennte. Durch diese unterschiedlichen Völker wurde sie dann auch zu einer Sprachgrenze, hochdeutsch und niederdeutsch. Und nach der Reformation gab es dann auch noch eine Religionsgrenze. Die katholischen "Kölschen" und die Anhänger Luthers im Siegerland wurden getrennt. Noch heute ist ein Teil des ehemaligen Grenzwalls gut zu erkennen. Auch der alte Schlagbaum, der "Holzklauer Schlag", ist noch erhalten und steht unter Denkmalschutz.

Im Jahr 1803 wurde die Region um Wenden dem Großherzugtum von Hessen-Darmstadt zugeteilt. Zu Preußen kam das Wendener Land im Jahr 1816. Im Jahr 1850 wurde aus den damaligen Gemeinden und Kirchspielgemeinschaften Wenden und Römershagen das Amt Wenden gebildet. Bei der kommunalen Neugliederung im Kreis Olpe wurde im Jahr 1969 aus dem Amt Wenden die heutige Gemeinde Wenden gebildet.

Stand: 21.04.2007